Vertrieb in Zeiten von Corona: schon etwas speziell

Corona ist gefühlt die 15. nationale oder globale Krise in meinem Berufsleben. Von der Ölkrise Ende der 70er, über den Kalten Krieg, Iran-Krieg 1 und 2, Schweinepest, dem Ausbruch des Eyjafjallajökull in 2010, Rinderwahn, 9/11, Mauerfall, die zahlreichen Wirtschaftskrisen (DotCom-Bubble, Lehmann Brothers und die weltweite Finanzkrise ab 2006), ach ja: Griechenland. Und seit Anfang der 70er und mit der Klima-Endzeit Prognose des „Club of Rome“ die Klimakrise. Die vielen kleinen Krisen lassen wir mal großzügig unbeachtet.

Ende der 70er habe ich zum ersten Mal im Verkauf gearbeitet und von den Krisen wenig gespürt. Das änderte sich ab den 90ern, wo es seitdem immer etwas Spezieller wird, wenn man in angespannten Zeiten verkaufen will.

Womit wir bei der aktuellen Krise wäre. Corona – eine weltweite Pandemie mit ihrem Ursprung wohl in China – legt große Teile der Wirtschaft lahm. Durch Lockdowns, Beschränkungen, fallsüchtige Konjunktur-Indizies, Kurzarbeit, allgemein schlechte Stimmung bei der Weltbevölkerung und dem damit seit Anfang Februar 2020 in den Unternehmen verbundenen Krisenmanagement. Den Herausforderungen der „Heimarbeit“, also des Home Offices. Der Erreichbarkeit von Ansprechpartnern und Entscheidern, die sich in Spitzenzeiten um 75% verschlechtert hat. Projekte, die verschoben werden, Prioritäten-Shifts, verunsicherte Unternehmen und Mitarbeiter.

Als Vertriebler macht mir die Arbeit vergleichsweise genauso wenig Freude, wie dem gestressten und genervten Gegenüber, der mir als Fremden erzählt, dass er in diesem Jahr keinen Urlaub macht, sein Job bedroht ist, Kollegen entlassen wurden, oder noch mindestens bis Mitte 2021 bei Ihnen Kurzarbeit geplant ist.

Nützt aber nichts!

Auch wenn es anstrengender ist als in normalen Zeiten (welche Zeiten sind das schon?), wenn die Erfolge härter erarbeitet werden wollen oder man die Kunden, die man sonst mit dem PKW besuchte und dort Aufträge abholte, jetzt bestenfalls noch in einer Video-Konferenz sieht.

Abwarten, dass die Krise vorüber geht und dann weiter arbeiten, ist gerade für mich als Kleinunternehmer keine Lösung.

Hier meine Top 3 Maßnahmen, die mir in den letzten Jahrzehnten immer geholfen haben:

–          Sport! Mindestens 3mal die Woche hart ins Schwitzen kommen. Nicht wegen der Kunden, sondern durch körperliche Anstrengung. Der Kopf wird frei, das Blut und der Stoffwechsel  kommen in Wallung. Ich bin optimistischer, habe mehr Energie und bessere Laune. Wenn ich gut drauf bin, im täglichen Wechsel Cardio und Kraft für 30-45min.

–          Meditation. 5min täglich, oder Nachts, wenn der Schlaf ausbleibt. Auf Atmung konzentrieren, Herzschlag usw (Nachts), tagsüber auf Ziele und Topics, die am Tage anstehen.

–          Spazieren gehen. 5min zum Wald sind schon sehr komfortabel. Meine Standard-Runde dauert etwa 90-100min. In der Zeit sortiere ich mich, spreche mir bis zu 30 Nachrichten auf mein Memo und komme deutlich entspannter nach Hause.

–          Die 4. Maßnahme kann man sehen wie man will, aber nach einem 12-Stunden Tag bekomme ich den Kopf oft nicht so schnell frei, wie ich möchte. Ein wenig Rotwein und ein unterhaltsames Buch sind da die Wahl der Stunde.

Aber was macht man nun mit seinen Kunden, die täglich den Song „Under Pressure“ hören? Freundlich sein. Nett, höflich. „Schenke ihnen Liebe“. Und Wertschätzung. Ich höre ihnen zu, fasse mich kurz und nerve nicht. Ich lächle beim Reden und versuche mehr zuzuhören, als sonst.

Letztlich wird es auch mit Corona sein, wie mit allen anderen Krisen. Sie verändern die Welt, gehen aber irgendwann vorüber.

Bis zur Nächsten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende

Ihr

Peter Wolf